Magyar Angol Olasz Lengyel

die Heilige Rechte

Die Geschichte der Heiligen Rechten

szentjobb_20140210124605_72.jpg

Nach dem Tode des Königs Stephan bestimmten Thronkämpfe und chaotische Verhältnisse das Land.
Das Kapitel von Stuhlweißenburg befürchtete eine Entweihung des balsamierten und mumifizierten Leichnams und ließ ihn aus der Marmorsarkophage in der Mitte der Basilika herausnehmen, in der König Stephan am 15. August 1038 bestattet wurde, und versteckte ihn in einer Grabkammer unter der Basilika. Bei dieser Gelegenheit wurde die unversehrte mumifizierte rechte Hand abgetrennt, weil ihr magische Kräfte zugeschrieben wurden. Sie wurde in die Schatzkammer der Basilika gebracht.

Der Wachmann der Schatzkammer hieß Merkur. Er entwendete nachher die Reliquie des Heiligen und versteckte sie auf seinem Gut in Bihar. Als Heiliger Ladislaus von der Reliquie erfuhr, besuchte er Merkur auf seinem Gut. Er vergab dem „Dieb“ seine Tat und gründete den Stift Heilige Rechte zu Ehren unseres ersten Königs für eine würdige Unterbringung der heiligen Reliquie am Ort deren Auffindung. (Der Stift und die Landstadt um ihn heißen heute Szentjobb („Heilige Rechte“) und liegt heute in Rumänien. Der rumänische Name ist Siniob)

So begannen die öffentliche Verehrung und die Feier der Heiligen Rechten. Die Gläubigen pilgerten über Jahrhunderte zu den Reliquien im Stift in Szentjobb. Im 15. Jahrhundert ging die Heilige Rechte auf eine Wanderung, denn sie wurde zunächst nach Stuhlweißenburg gebracht, von dort wurde sie während der Türkenherrschaft in Ungarn nach Bosnien geliefert, dann (um 1590) zu den Dominikanermönchen in Ragusa (heute Dubrovnik) gebracht.
Als Königin Maria Theresia vom Aufbewahrungsort der Reliquie erfuhr, unternahm sie alles, was in ihrer Macht stand, um sie zurückzubekommen. Nach langwierigen diplomatischen Verhandlungen lieferte Ragusa sie aus, somit konnten die Gläubigen sie am 16. April 1771 bereits in Wien verehren, um sie dann mit großer Feierlichkeit nach Buda zu übertragen. Königin Maria Theresia trug den Schwestern der Congregation Jesu die Aufbewahrung der Heiligen Rechten auf und ordnete gleichzeitig die Feier des Heiligen Stephans am 20. August an.
Am Anfang der 1800er Jahre sorgte der Ritterorden vom Heiligen Grab auf Anordnung der Königs Joseph II. für die Aufbewahrung der Heiligen Rechten. Nach der Auflösung dieses Ordens übernahm ab 1865 die Erzdiözese Esztergom die sichere Aufbewahrung der Heiligen Rechten. Am Anfang der 1900er Jahre wurde sie in der Sigismund-Kapelle in der Budaer Burg untergebracht, wo sie bis 1944 ausgestellt wurde. Eine intensive Verehrung der Heiligen Rechten war in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen vorhanden. Ein Höhepunkt dieser Periode war das Jahr 1938. Bereits im Oktober 1938 verabschiedete das Ungarische Katholische Bischofskollegium das Programm für das „zweifache heilige Jahr“, das den Plan für die Vorbereitung des 34. Eucharistischen Weltkongresses und des Jubeljahres Heiligen Stephans enthielt. Als die Feier zum 900. Jahrestag des Todes unseres ersten Apostelkönigs - das Jubeljahr Heiligen Stephans - kundgegeben wurde, wurde auch beschlossen, dass würdigerweise in dieser besonderen Feier des Christentums unseres Königs Heiligen Stephans gedacht wird und aus diesem Anlass die Heilige Rechte in ganz Ungarn herumgetragen wird. Die Eröffnungsveranstaltung der Feierlichkeiten fand am 30. Mai unmittelbar nach dem Schluss des Eucharistischen Weltkongresses statt.
Die Heilige Rechte wurde zusammen mit den Krönungsinsignien während dem 2. Weltkrieg weggeschleppt und in einer Höhle bei Salzburg versteckt. Dort fand sie die amerikanische Armee, um sie dem Erzbischof von Salzburg zur Aufbewahrung zu übergeben. Drei Mitglieder der Amerikanischen Militärmission brachten sie nach Ungarn für die Prozession am 20. August 1945.
Am Ende der Feier wurde die Heilige Rechte im Kloster der Schwester der Congregation Jesu untergebracht, wo sie bis 1950, bis zur Auflösung des Ordens aufbewahrt wurde.
Dann wurde sie im Stahlschrank der Pfarrei in der St.-Stephans-Basilika versteckt, denn in diesen Jahren war eine Verehrung der Heiligen Rechten vom Heiligen Stephan in öffentlichen Prozessionen verboten.
Dieses Verbot galt bis zum 20. August 1987, als Kardinal und Erzbischof Dr. Paskai László die Kapelle Heilige Rechte in der St.-Stephans-Basilika einweihte, deren Errichtung der verstorbene Kardinal Lékai László veranlasste. Dort wurde die Reliquie unseres großen Königs ausgestellt, die auch heute besichtigt werden kann. Zum 950. Jahrestag des Todes vom König Stephan dem Heiligen fand 1988 wieder ein Überlandfahrt der Heiligen Rechten statt. Zehntausende bewegte und andächtige Gläubige empfingen die Nationale Reliquie in den erzbischöflichen und bischöflichen Städten sowie in Pannonhalma.Ab 1989 findet Jahr zu Jahr am Feiertag des Heiligen Stephans eine betende Prozession statt.
(Quelle: „Szent István király jobbja“, Forrás Kiadó,
Budapest, 1991)